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MiFID II – Was ist das?

MiFID ist die Abkürzung für die Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive“, oder genauer, für die Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahr 2004 und trat 2007 in Kraft.
Nach einem gemeinsamen Beschluss auf dem G20-Gipfel 2009, wurde 2011 begonnen, die Richtlinie zu überarbeitet, um die Lücken zu schließen, die bezüglich der Geschäftstätigkeit innerhalb der Europäischen Kapitalmärkte während der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich geworden waren. Neben der Änderung von MiFID I auf MiFID II gibt es noch zahlreiche andere Änderungen und Direktiven, die sich mit dieser Problematik beschäftigen, wie beispielsweise die European Market Infrastructure Regulation (EMIR) oder die Änderungen der Market Abuse Directive I zur Market Abuse Directive II (MAD II).
Die neuen Regelungen unter MiFID II treten am 3. Januar 2018 in Kraft. Zur Umsetzung der Richtlinie muss der Gesetzgeber in Deutschland einige Gesetze anpassen oder verändern, darunter das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und das Kreditwesengesetz (KWG). Ziel der Regelung ist es, eine höhere Transparenz der Märkte zu schaffen und nationale Gestaltungsspielräume zu begrenzen, sowie den Investorenschutz merklich stärken. Ein sekundäres Ziel ist es zudem, die branchenweiten Anpassungen von Geschäftsmodellen voranzutreiben und so den Wettbewerb zu stärken und die Integration des gesamteuropäischen Finanzmarktes durch eine Vereinheitlichung des Regelwerks voranzutreiben.
Das Hauptaugenmerk bei den Veränderungen von MiFID II im Vergleich zum Vorgänger von 2007 liegt aber neben dem verstärkten Schutz von Investoren und Anlegern, auf der sogenannten Product Governance; durch die Einführung strengerer Regelungen zu digitaler Kundenkommunikation, Offenlegung und Transparenzanforderungen soll dafür gesorgt werden, dass sich Unternehmen und Dienstleister mehr darauf konzentrieren, Produkte genau auf das Kundenprofil abzustimmen. Zudem spielen die Faktoren „Eignung“ und „Zweckmäßigkeit“ (Suitability and Appropriateness) zukünftig eine größere Rolle. So gibt es eigene Artikel, in denen festgelegt ist, wie Firmen die „Eignung und Zweckmäßigkeit“ ihrer Produkte für den jeweiligen Kunden, sowie die „Kenntnisse und Kompetenzen“ ihrer Mitarbeiter, die im Kundenkontakt stehen, sicherstellen müssen.
Zwar bringt MiFID II erhöhte Verantwortung für die unternehmensinternen Governance- und Managementprozesse und verstärkte Compliance-Anstrengungen, dafür zielt es aber auf ein robusteres und transparenteres Finanzsystem ab. Dadurch werden hoffentlich auch vorsichtigen Anlegern die letzten Ängste genommen und mehr Vertrauen in ihre Investitionen gegeben.
Zudem müssen Firmen mit den neuen Regelungen natürlich noch strengere Regeln und Systeme einführen, um sicherzustellen, dass Marketing-Inhalte fair, klar und nicht irreführend sind. Auf der anderen Seite führen diese verbesserten Prozesse und die Implementierung von entsprechenden Lösungen auch zu besseren Möglichkeiten der Kundenansprache, die einem zuvor vielleicht entgangen sind.
Und schließlich eröffnen sich durch die Vereinheitlichung der Regelungen in der gesamten EU völlig neue Wege beim grenzüberschreitenden Handel und bei multinationalen Partnerschaften, die ansonsten deutlich schwerer, wenn nicht sogar unmöglich gewesen wären.
Unternehmen haben zwar bis 2018 Zeit, um sich den Regeln entsprechend anzupassen. Es wird jedoch eine zügige und systematische Annäherung an MiFID II empfohlen. Unternehmen, die fähig sind, solide MiFID II-konforme Plattformen für digitale Kommunikation mit Kunden zu planen und umzusetzen, werden gut gerüstet sein, um reguläre und auf jeden Kunden zugeschnittene Kommunikation sicherzustellen, Compliance zu steigern und auf der anderen Seite selbst von den besseren Angeboten und Geschäftsmöglichkeiten zu profitieren.
Disclaimer: Das in diesem Artikel verfügbare Materiale dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.

Rina Obi

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